Schwarzer Sumpf

Short Stories

Kategorie: Notizen

  • Notiz 20

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    von

    in

    Maskulinität war schon immer ein großes Thema für mich. Und wie alle Männer habe ich Probleme damit, die für mich passende Form von Männlichkeit zu definieren. Ich fürchte, mir gelingt das insgesamt nicht so gut, auch wenn es von außen anders aussehen mag. Ich bin groß gewachsen, nicht der Schmalste, habe einen dunklen, relativ dichten…

  • Notiz 19

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    von

    in

    In gewisser Weise war ich ein Pionier beziehungsweise meiner Zeit voraus. Als ich um das Jahr 2000 mit dem Krafttraining angefangen habe, war ich gerade einmal 15. Damals gingen Teenager noch nicht reihenweise ins Fitnessstudio. Ich war eine ziemliche Ausnahme – und entsprechend viel Aufmerksamkeit und Bewunderung habe ich für meinen Körper bekommen. In gewisser…

  • Notiz 18

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    von

    in

    Ich war schon fast zwei Jahre arbeitslos, als ich endlich eine Chance zur Rehabilitation erhielt. Ein Hersteller von Heizungs- und Wassertechnik brauchte eine sechsmonatige Vertretung für einen ihrer  Online-Marketing-Manager, der ein Sabbatical in Asien machte. Wenn man über 300 erfolglose Bewerbungen geschrieben hat, ist man nicht mehr wählerisch, auch wenn im Bewerbungsgespräch eine Red-Flag nach…

  • Notiz 17

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    von

    in

    Meine Eltern trennten sich, als ich drei oder vier Jahre alt war, blieben aber im selben Haus wohnen. Mein Vater zog in die Wohnung im ersten Stock, ich zog mit meiner Mutter ins Erdgeschoss. Den Keller und den Garten teilten sich die beiden. Und so wurde ich ein Wandler zwischen zwei Welten, die nur noch…

  • Notiz 16

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    von

    in

    Als ich achtzehn Jahre alt war und noch zur Schule ging, ritt ich zwei meiner Freunde und mich einmal ganz schön rein. Wir saßen bei Pasta al Forno vom Hinterhoflieferservice zusammen und besprachen, wie und wo wir unseren Sommerurlaub verbringen sollten. Ich machte kräftig Werbung für “Ruf Jugendreisen”, mit denen ich zwei Jahre zuvor in…

  • Notiz 15

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    von

    in

    Ich lernte C. auf eine Art und Weise kennen, wie man heutzutage wohl kaum noch jemanden kennenlernt, und zwar um drei Ecken: Nachdem ich nach einer Indienreise zurück in meine Heimatstadt Köln gekommen war, um dort ein Studium zu beginnen, fand ich Arbeit in einer Kneipe. Dort kam irgendwann ein wunderschönes Mädchen herein, das mir…

  • Notiz 14

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    von

    in

    Ich weiß noch genau, in welchem Moment es mit meiner ersten Liebe zu Ende ging. Ich besuchte sie in Amsterdam, wo sie gerade ihr Studium aufgenommen hatte. Wir lagen nebeneinander im Bett und ich fühlte mich fremd und nicht mehr mit ihr verbunden. Daraus zog ich den Schluss, dass ich sie nicht mehr liebte. Rückblickend…

  • Notiz 13

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    von

    in

    Als ich einundzwanzig Jahre alt war, hatte ich eine schwere Depression. Ich hatte ein Kulturwirt-Studium in Duisburg angefangen, wo ich mich vom ersten Tag an fremd fühlte. Zu Hause in Köln hing ich mit zynischen Kiffertypen rum, dort im Pott waren meine Kommilitonen weltoffene, unbeschwerte Bürgerkinder, auf die ich nicht klar kam. In meinem Zimmer…

  • Notiz 12

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    von

    in

    Gerade noch bei der Arbeit. Irgendwie ein Scheiẞtag. Wir haben ein Griffkraftmessgerät bekommen und ich habe Werte, die selbst für einen Siebzigjährigen beschissen sind. Ich habe geahnt, dass die Griffkraft eine groẞe Schwäche von mir ist, aber natürlich hofft man immer, dass man sich täuscht. Solche Erlebnisse hatte ich in den letzten 10 Jahren oft:…

  • Notiz 11

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    von

    in

    Momentan ist meine Form eine Art Persona meiner selbst auszuschlachten. Mir ist aufgefallen, dass man beim Schreiben immer ein bestimmtes Publikum bzw. einen bestimmten Empfänger anvisiert – bewusst oder unbewusst. Und momentan ist dieses Publikum eine graue, anonyme Masse von Instagram-Usern und sonstigen Menschen, die online auf meine Texte aufmerksam werden könnten. Dabei ist das…

  • Notiz 10

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    von

    in

    Auf dem Rückweg der Verkaufsschulung. Ich habe die Prüfung, für die 60 Minuten angesetzt war, in knapp 15 Minuten abgelegt – praktisch fehlerfrei. Eine von 40 Fragen habe ich falsch beantwortet. Kaufen kann ich mir davon nichts. Es hätte keinen Unterschied gemacht, wenn ich mit der Mindestpunktzahl bestanden hätte. Der einzige Unterschied wäre gewesen, dass…

  • Notiz 9

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    von

    in

    Ich habe begonnen, meine Texte auf Instagram und X zu bewerben. Läuft noch nicht. Ich bin auch skeptisch, ob es jemals in Laufen kommen wird. Im Grunde ist es mir auch egal. Ich verfolge keine wirklichen literarischen Ambitionen (mehr). Ich dokumentiere eigentlich nur noch, was in meinem Kopf los ist, und folge bestimmten, nicht zielgerichteten…

  • Notiz 8

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    von

    in

    Die Welt schaut zu, als ein 58-Jähriger Mike Tyson gegen einen 27-Jährigen Youtuber antritt – ein „Profikampf“ unter erleichterten Bedingungen (kürzere Runden, weniger Runden, dickere Handschuhe). Was sagt das über unsere Zeit aus? Nichts Gutes. Jake Paul hat sich ein narzisstisches Paralleluniversum geschaffen, was mittlerweile völlig normal ist. Kanye West, Donald Trump, Elon Musk ……

  • Notiz 7

    —

    von

    in

    Ideal wäre (Text)Kritik im ursprünglichen Sinne. Kritisieren kommt schließlich von (unter)scheiden, trennen, und nicht von (be)urteilen oder bewerten, loben oder verdammen.  Eine Kritik ist damit immer relativierend; sie fragt: Was ist durch Unterschiede aufeinander bezogen und wie groß sind diese Unterschiede? Dies kann rein beobachtend geschehen.  Bewertungen sind also nur eine Sonderform von Kritik.  Eine positive Bewertung sagt: Es gibt kaum einen Unterschied zwischen…

  • Notiz 6

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    von

    in

    Vor einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass das allermeiste, was wir denken und sagen, nicht überprüfbare Behauptungen sind. Das zieht dem meisten, was auf der Welt gedacht und gesprochen wird, den Boden der Verbindlichkeit weg. Ganze „Wissenschaften“ zerfallen zu einem Geflecht aus Vagheiten und Möglichkeiten. Dass man streng genommen allem skeptisch gegenüberstehen muss, ist kein…

  • Notiz 5

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    von

    in

    Manchmal bin ich kurz davor, hinzuschmeißen. Es sind gar nicht die großen Dramen, die mich an den Rand der Verzweiflung treiben. Im Gegenteil, es ist der Terror des Alltags, dieser ganze Wahnsinn der heutigen Zeit. Dabei spielt die Technik, spielen „optimierte“ Prozesse eine tragende Rolle. In ihnen steckt Mephisto. Wenn man die eine App öffnen…

  • Notiz 4

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    von

    in

    Wir sind nur überlebensfähig, wenn wir Scheuklappen aufsetzen. Tun wir das nicht, prasselt zu viel auf unsere Sinne und unseren Verstand ein. Meistens sind wir stumpf und alles andere als erleuchtet. Aber manchmal gibt es diese hellsichtigen Momente, in denen wir erkennen, was für ein himmelschreiender Unsinn uns umgibt. Das Chaos und die Ungereimtheiten sind…

  • Notiz 3

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    von

    in

    Im Gegensatz zu Gen X und Y wachsen Gen Z und Alpha gänzlich ohne festen Kontext auf. Was wird das mit der Welt machen, wenn es keine gemeinsame Basis des Denkens mehr gibt? „Wir“ waren schon Medienjunkies, aber wir kannten noch so etwas wie Institutionen, waren diese auch teilweise unkonventionell. Wie die Simpsons, die das…

  • Notiz 2

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    von

    in

    Wir leben in Zeiten, in denen kein Sinn mehr herrscht für das Drama der Existenz. Stattdessen herrscht das Diktat des Glücks. Wer nicht glücklich ist, hat im Grunde sein Mitspracherecht verwirkt, denn der eigene Zustand beweist in diesem Fall das eigene Unvermögen. Was will uns schon jemand erzählen, der es nicht einmal schafft, aus seinem…

  • Notiz 1

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    von

    in

    Der Krieg wird abends verloren. Abends ist die Zeit des Stillstands und der Leere. Und abends ziehe ich mir Kartoffelchips rein und Schokolade und Gummibärchen und Bier. Was soll man auch sonst tun? Die Sonne ist untergegangen, die Geschäftigkeit des Tages ist aus den Straßen gewichen und alles, was bleibt, ist Passivität. Ob es das…