Schwarzer Sumpf

Short Stories

Notiz 10

Auf dem Rückweg der Verkaufsschulung. Ich habe die Prüfung, für die 60 Minuten angesetzt war, in knapp 15 Minuten abgelegt – praktisch fehlerfrei. Eine von 40 Fragen habe ich falsch beantwortet. Kaufen kann ich mir davon nichts. Es hätte keinen Unterschied gemacht, wenn ich mit der Mindestpunktzahl bestanden hätte. Der einzige Unterschied wäre gewesen, dass die Kursleiterin in diesem Fall nicht aufgemerkt hätte wegen dieser „außergewöhnlichen Leistung“. Aber sie wird davon ja meinem Chef nichts erzählen. Und selbst wenn sie es täte, hätte ich nichts davon.

Mal wieder war ich also der Einäugige unter den Blinden, wenn man so will. Die anderen Leute dort waren noch sehr jung und – sagen wir mal so: keine Weltbürger. Neben mir saß zum Beispiel Kimberly, eine mädchenhaft wirkende junge Frau aus Remscheid mit schmalen Lippen und einer Stupsnase. X-Beine und ein wenig fettige Haare hatte sie auch. Aber nett! Irgendwie hat sie mir gefallen, auch wenn mein Kopf sich partout geweigert hat, sich vorzustellen, wie wir miteinander schlafen. Ich hätte es mir gerne vorgestellt, aber meine Fantasie hat gestreikt. Vielleicht komme ich jetzt in das Alter, wo man mit dem Blick eines gutmütigen, harmlosen Onkels auf junge Frauen schaut. Fehlt nur noch, dass ich junge Frauen vor miesen Jungs warne und enttäuscht bin, wenn sie diese Warnung in den Wind schlagen.

Ich wollte doch eigentlich eine kurze, bukowskieske Short Story darüber schreiben, wie ich Kimberly mit aufs Hotelzimmer nehme. In der Story hätte meine Freundin angerufen und ich hätte zu Kimberly gesagt:
„Pssst, sei mal still! Meine Freundin ruft an.“
Kimberly hätte gehorcht und die Klappe gehalten, während ich mit meiner Freundin über meinen Tag gesprochen hätte. Dabei hätte ich den Fuß zwischen die Schenkel von Kimberly gestellt, die mit leicht gespreizten Beinen in einem einfachen Baumwollslip auf dem türkis bezogenen Sessel vor dem Hotelfenster gesessen hätte. Ich hätte meinen großen Zeh in ihre Ritze gepresst und ihr zugekniept. Sie hätte gelächelt und wäre auf dem rauen Bezug ein wenig nach vorne gerutscht, um sich mit ihrem Schoß in meinen Zeh hineinzudrücken. Zu meiner eigenen Überraschung hätte mein Zeh Kimberlys Kitzler gefunden und sie hätte ein Stöhnen nicht unterdrücken können, aber anders als im Film hätte meine Freundin dieses Stöhnen nicht gehört und folglich auch nicht nachgefragt, wo ich sei. Ich hätte also ungestört und unhinterfragt meine Zehenfertigkeit noch deutlicher unter Beweis stellen und Kimberlys Slip zur Seite schieben können, um ihre nicht mehr ganz glatt rasierte Möse freizulegen, die bereits ein wenig feucht geschimmert hätte. Nachdem ich aufgelegt hätte, hätte Kimberly gefragt, ob sie mir einen blasen sollte.
„Ist der Papst katholisch?“, hätte ich zurückgefragt und das hätte die nicht sehr weltgewandte Kimberly nicht verstanden. Naiv hätte sie nachgefragt, was das bedeuten sollte, und dies hätte zu einem gewissen Einbruch des Moments geführt, weil es mir die Schlichtheit von Kimberlys Gemüt schlagartig erneut vor Augen geführt hätte. Gleichzeitig wäre ich ob dieser Schlichtheit ein wenig gerührt gewesen. Aber nicht lange, dann hätte sie mich angeturnt, da sie so stark mit dem schamlosen Akt kontrastiert hätte. Nichts ist ja aufregender als Kontraste. So oder so hätte Kimberly kurz darauf meinen Riemen in ihrem kleinen Mund gehabt und mir kräftig einen abgekaut. Danach hätte ich sie auf dem Queen-Size-Bett von hinten gefickt und ihr dabei unablässig auf ihren etwas kleinen, aber recht runden Popo geguckt, zwischen dessen hellen Backen ein winziges, rosafarbenes Arschloch aufgeschienen wäre wie die Sonne Japans. Wir hätten es ohne Gummi gemacht, denn ich hätte Kimberly geglaubt, dass sie höchstwahrscheinlich nichts hatte, und ohne Gummi ist es ja noch einmal viel frivoler. Um was, wenn nicht um Frivolität ging es bei so was denn? Eben! Wenn man so etwas tat wie ich mit Kimberly, dann ging es doch nur darum, es so dreist und falsch wie möglich zu tun. Es ging nicht um eine richtige Balance, sondern darum, den Kontrast zum Sonst so hoch zu regeln, dass einem das Weiß auf der Netzhaut brannte und das Schwarz den ganzen Rest verschluckte. Kurz vor dem Ende hätte ich ihn rausgezogen und mein Sperma an Kimberlys Oberschenkelinnenseiten herunterlaufen lassen. Ich bin mittlerweile kein Spritzer mehr, sondern ein Queller, das Sperma quillt nur noch aus mir heraus; darauf muss ich bei den Praktiken Rücksicht nehmen, was ich durchaus bisweilen als limitierend empfinde. Aber so ist das nun einmal mit dem Älterwerden: die Limitierungen nehmen zu, die Schamlosigkeiten dafür aber auch, sodass der Lustgewinn am Ende gleich bleibt. Zumindest redet man sich das ein.

Außer Kimberly gab es im Kurs noch zwei weitere Mädels: eine makellose Münchnerin und eine zierliche Rostockerin mit prallen Lippen und einem fliehenden Kinn. Beides – die prallen Lippen und das fliehende Kinn – haben sich gegenseitig verstärkt, also wurden sowohl der Makel als auch der Reiz überbetont, was in etwa so aussah, wie Pizza Hawaii schmeckt. Diese Rostockerin reizte mich auch ein wenig, war sie doch gerade einmal siebzehn Jahre alt. Aber an Kimberly kam sie nicht heran, denn Kimberly war eine ehrliche Haut, ein echtes bergisches Bauernmädel ohne Berührungsängste. Der Rostockerin sah man an, dass ihr die Jungs schon immer hinterhergestiegen waren; wahrscheinlich war ihr Freund ein harter Kerl. Und die Münchnerin hatte ganz sicher einen tollen Vater, so einen, mit dem man unmöglich mithalten kann. Von solchen Frauen muss man sich fernhalten.

Eine Fahrtunterbrechung des ICE hat mich abgelenkt und nun ist meine Story nicht mehr zu retten. Der tranceartige Zustand, in dem ich Kimberly auf dem Queen-Size-Bett gefickt habe, ist dahin. Aber wie gesagt, eigentlich hatte ich mir genau das ja nicht vorstellen können, sondern hatte mir lediglich gewünscht, es mir vorzustellen. Darum ging es ja. Capisci? Überhaupt, ich sagte es kürzlich ja schon hier und da, will ich mittlerweile mit meinen Texten auf gar nichts mehr heraus. Ein geradezu vermessener Anspruch ist das meinerseits: Ich will Aufmerksamkeit und bestenfalls sogar Lob für Texte, die selbst überhaupt nichts wollen und eigentlich auch nichts liefern. Sie sind einfach nur völlig richtungslose Manifestationen von irgendetwas. Selbst würde ich so einen Schund niemals lesen; dafür wäre mir meine Zeit viel zu schade, obwohl meine Zeit genau genommen gar nicht schade ist. Sie ist wertlos. Meine Zeit ist völlig wertlos. So wertlos, dass ich sie dafür benutze, ziellose, anmaßende Texte zu schreiben, weil mir nichts Besseres einfällt. Und dennoch wäre mir diese Zeit zu schade, um sie für das Lesen meiner eigenen Texte zu opfern.

***

Die Wolken sind heute außergewöhnlich plastisch. Man müsste nur ein wenig schweben, dann wäre man ein Männchen in einer Zuckerwattemaschine und könnte sich an den Wolken sattfressen. Und danach aus dunklen Wolkenburgen abregnen.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert