Gerade noch bei der Arbeit. Irgendwie ein Scheiẞtag. Wir haben ein Griffkraftmessgerät bekommen und ich habe Werte, die selbst für einen Siebzigjährigen beschissen sind. Ich habe geahnt, dass die Griffkraft eine groẞe Schwäche von mir ist, aber natürlich hofft man immer, dass man sich täuscht. Solche Erlebnisse hatte ich in den letzten 10 Jahren oft: Seit ich fünfzehn bin, trainiere ich mir den Arsch ab. Sport, Training, Ernährung, Aussehen, all das dominiert mein Leben. Und Erfolg habe ich quasi keinen: Ich bin nicht besonders stark, nicht besonders dünn, nicht besonders ausdauernd und kann auch sonst nichts Physisches besonders gut. Ich war nie schlecht in den Sportarten, die ich ausprobiert habe, aber meistens war ich nicht einmal der Beste im Verein. Dabei war mein Ehrgeiz enorm, zumindest früher. Mittlerweile ist er eher hypothetisch: Ich denke mir, dass all der Einsatz, den ich trotz allem bringe, bessere Ergebnisse zeitigen müsste. Aber das Gegenteil ist der Fall: Je mehr ich tue, desto mehr Boden verliere ich unter den Füẞen. Mittlerweile ist mein Körper fast gänzlich kaputt bzw. beeinträchtigt. Von den Fuẞgelenken über den Rücken und die Schulter, bis in die Finger hinein gibt es Probleme. Dabei wäre ich doch so gerne stark und schnell und ausdauernd und koordinativ auẞergewöhnlich gut aufgestellt.
Fünfundzwanzig Jahre Kraftsport und die Griffkraft eines Greises. Das Handdynamometer war eindeutig. Nicht besonders viel Muskelmasse. Fettwerte an der Grenze zum Übergewicht. Auẞer Atem, wenn ich kurz dem Bus hinterherlaufe. Und das als Fitnesstrainer, als Fitness-Nerd, der alle Szene-Idioten, alle Übungsvarianten und alle Makronährstoffaufstellungen kennt.
„Scheitern“! Man kann es nicht anders nennen. Wenn man etwas unbedingt will und alles investiert, was man hat, und es dennoch nicht erreicht, dann ist das Scheitern in Reinkultur. Da gibt es nichts zu deuteln. Ich würde sogar so weit gehen und mich einen „Versager“ nennen. Diese Einsicht tut verdammt weh, denn es lässt sich eben nichts mehr mit Illusionen beschönigen: Wenn etwas 25 Jahre lang nicht geklappt hat, dann ist das abschlieẞend. Da braucht man sich auch kein „Jetzt erst recht!“ mehr abzutrotzen. Nein, jetzt erst recht nicht mehr! So muss es nun heiẞen.
Schreibe einen Kommentar